April 16

Hautnah: Warjag

Gefecht von Tschemulpo

Wir schreiben das Jahr 1904, am Morgen des 9. Februar. Der Geschützte Kreuzer Warjag verlässt langsam die relative Sicherheit des Hafens von Tschemulpo, dem heutigen Incheon in Südkorea, mit der Besatzung in voller Gefechtsbereitschaft, um sich dem japanischen Verband vor der Bucht zu stellen. 

Obwohl Kapitän Wsewolod Rudnew und seine Besatzung sowohl die Mannschaft des begleitenden Kanonenboots Korejez einer großen Übermacht gegenüberstehen, sind alle an Bord der russischen Schiffe ruhig und gefasst.

Warjag im Hafen. Quelle: Klimbim

Hintergrund

Die politische Situation im Fernen Osten war seit einigen Jahren von großer Instabilität geprägt, da die westlichen Mächte eine zunehmende militärische Präsenz aufbauten, um sich einen Anteil an der Ausbeutung Chinas und Koreas zu sichern. Insbesondere zwei Reiche verfolgten jedoch weiterreichende und ambitioniertere Bestrebungen als der Rest: Die Russen hatten während des Boxeraufstands die chinesische Region der Mandschurei besetzt und strebten nun nach weiteren Territorialgewinnen mit dem Endziel eines eisfreien Hafens. Japan, zu dieser Zeit von den Europäern zumeist noch als Emporkömmling verachtet, wollte sich nach Abschluss eines an ein Wunder grenzenden Modernisierungsvorgangs in den vorangegangenen Jahrzehnten als geopolitisches Schwergewicht etablieren. Damit steuerten beide auf eine gewaltsame Konfrontation zu, und tatsächlich führte die japanische Flotte am 8. Februar 1904 eine Überraschungsangriff auf die im mandschurischen Hafen Port Arthur vor Anker liegende russische Flotte durch, womit der Russisch-Japanische Krieg ausbrach.

 

„Da derzeit zwischen dem Kaiserreich Japan und dem russischen Zarenreich der Kriegszustand herrscht, werde ich die Kriegsschiffe Russlands angreifen […] sofern der ranghöchste russische Marineoffizier vor Ort in Tschemulpo nicht meiner Aufforderung nachkommt, den Hafen von Tschemulpo vor dem Mittag des 9. Februar 1904 zu verlassen […].“
– Konteradmiral Uriu Sotokichi

 

Nachdem das Ultimatum des japanischen Konteradmirals Uriu eingegangen war, der den Hafen zu diesem Zeitpunkt mit seinem Verband blockierte, stand das kleine, von der Warjag angeführte und von der restlichen Flotte durch einige hundert Kilometer getrennte russische Kontingent in Tschemulpo vor folgender Wahl: Kapitulation oder der Versuch eines Ausbruchs aus dem Hafen, mit dem Ziel, sich wieder der russischen Pazifikflotte anzuschließen. Kapitän Rudnew entschied sich für die zweite Option und gab kurz nach 11:00 Uhr den Befehl, Fahrt aufzunehmen und den Hafen zu verlassen. Der kleine Verband wurde am Eingang zur Bucht von einem deutlich überlegenen japanischen Geschwader aus sechs Kreuzern und acht Torpedobooten erwartet. Als erkennbar wurde, wie die russischen Marinesoldaten mutig ihrem möglichen Untergang entgegenfuhren, sogar mit Musik an Deck, begannen die Besatzungen einiger der neutralen ausländischen Schiffe im Hafen, die Russen anzufeuern, und die Kapelle eines italienischen Schiffes in der Nähe stimmte sogar die russische Hymne an.

Kapitän Wsewolod Rudnew. Quelle: Klimbim

Das Schiff

Die Warjag sah sich nicht nur einer zahlenmäßigen Übermacht gegenüber, sie besaß im direkten Vergleich mit den japanischen Kreuzern auch geringere Feuerkraft und schwächere Seitenpanzerung. Zum Zeitpunkt des Gefechts verfügte die Warjag über zwölf Geschütze des Kalibers 152 mm, die sich so über das Oberdeck verteilten, dass alle Kampfbereiche abgedeckt waren, sowie zwölf Sekundärgeschütze im Kaliber 75 mm. Der einzige Bereich, in dem die Warjag im Vorteil war, war die Geschwindigkeit. Sie war bis zu fünf Knoten schneller als ihre japanischen Gegner, obwohl sie seit ihrem Stapellauf fortwährend mit technischen Problemen zu kämpfen gehabt hatte, was ihre tatsächliche Geschwindigkeit häufig auf einen Bruchteil der ausgelegten Maximalgeschwindigkeit beschränkte.

Die russische Regierung hatte die Warjag 1898 bei einer bedeutenden Werft in Philadelphia in Auftrag gegeben. Das Schiff war als Geschützter Kreuzer ausgelegt: Dabei handelte es sich um einen Schiffstyp, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dank seiner guten Kombination aus Geschwindigkeit und Panzerung großer Beliebtheit bei vielen Flotten erfreute, insbesondere aber bei der russischen Admiralität. Das fertige Schiff sollte beinahe 130 Meter lang sein, mehr als 7000 Tonnen verdrängen und eine Höchstgeschwindigkeit von 24 Knoten besitzen, die mit Dreifach-Verbunddampfmaschinen erreicht wurden. Dieses Schiff mit einer ruhmreichen Zukunft wurde schließlich 1899 vom Stapel gelassen und 1901 Teil der russischen Marine. Schon kurz darauf wurde sie in die Mandschurei entsandt, um zur Stabilität in dieser zunehmend spannungsgeladenen Region beizutragen.

Der Vorstoß

Konteradmiral Uriu dürfte verständlicherweise überrascht gewesen sein, als er erkannte, dass die Warjag und ihre treue Begleiterin Korejez unbeeindruckt auf seinen Verband zuliefen, womit klar wurde, dass eine Kapitulation für die Russen nicht in Frage kam. Die Warjag eröffnete am frühen Nachmittag, weniger als eine Stunde, nachdem sie den Hafen verlassen hatte, das Feuer auf die überlegenen japanischen Kräfte, die es mit ihren großkalibrigen 20,3-cm-Geschützen erwiderten. Es gelang der extrem genauen japanischen Artillerie sehr schnell, die Warjag bereits auf große Entfernung mit Sprenggranaten schwer zu beschädigen, während die Warjag selbst nur gelegentlich und ineffektiv mit panzerbrechenden Granaten zurückschoss, die zwar die äußere Panzerung der japanischen Kreuzer durchschlug, aber nicht explodierte.

Je mehr sich die Warjag dem feindlichen Verband näherte, desto schwereren und schwerwiegenderen Schaden nahm sie.

Mehr als die Hälfte ihrer Geschütze war durch das auf Deck einschlagende Feindfeuer ausgefallen und eine gut gezielte Granate konnte ihren Rumpf unterhalb der Wasserlinie durchschlagen, was umgehend zu einem besorgniserregenden Wassereinbruch führte. In den Mannschaftsquartieren und im Maschinenraum brachen Brände aus. Trotzdem setzte die Warjag ihren gefährlichen Angriff auf die feindlichen Linien fort und erwiderte den Beschuss mit rasanter Feuergeschwindigkeit, bevor Sie schließlich wendete, um ihre Backbordgeschütze einsetzen zu können. Direkt nach Abschluss des Wendemanövers erhielt sie einen großkalibrigen Treffer in den Rumpf, der ihr Steuerruder unbrauchbar machte und so ihre Manövrierbarkeit stark einschränkte. Nach Begutachtung der erhaltenen Schäden entschied Kapitän Rudnew, selbst durch Splitter verwundet, einen Rückzug nach Tschemulpo durchzuführen, wobei die überlegene Geschwindigkeit der Warjag ausgenutzt wurde, während die Heckgeschütze die verfolgenden Japaner beschossen.

Warjag und Korejez auf dem Weg ins Gefecht.

Da Warjag sich wieder dem Hafen näherte, ließen die Verfolger vom Gefecht ab und fielen zurück, da im Hafen auch unbeteiligte ausländische Schiffe vor Anker lagen. Nachdem die Rückkehr zum Hafen trotz der erlittenen Schäden wider aller Erwartungen gelungen war, beriet sich Kapitän Rudnew umgehend mit den anderen Offizieren und entschied, sein Schiff und die unbeschädigte Korejez in der Bucht zu versenken, damit sie nicht in japanische Hände fallen konnten.

Nachspiel

Die Verluste waren mit 115 von 565 Mann, einschließlich acht Offizieren, für die Besatzung der Warjag hoch. Letzten Endes konnte die weit unterlegene Warjag dem Feind einen Verlust von 30 Mann zufügen und ein japanisches Torpedoboot versenken. Der Großteil der Besatzung konnte über neutrale Häfen nach Russland zurückkehren und wurde dort als Helden gefeiert. Kapitän Rudnew wurde der Orden des Heiligen Georg, 4. Klasse, verliehen und er wurde befördert. Darüber hinaus verlieh der japanische Kaiser 1907, lange nachdem der Russisch-Japanische Krieg mit einem klaren japanischen Sieg geendet hatte, Kapitän Rudnew den Orden der Aufgehenden Sonne, als Zeichen seiner Bewunderung der Warjag und ihrer Besatzung, die tapfer und ehrenvoll einem deutlich überlegenen Feind entgegentraten, statt sich zu ergeben.

Warjag nach der Schlacht.

Damit war die Geschichte der Warjag aber noch nicht vorbei. Ein Jahr nach dem Gefecht hob die japanische Marine die Warjag, die ab 1907 so weit in Stand gesetzt war, dass sie erneut in Dienst gestellt werden konnte; diesmal unter der Flagge des japanischen Kaiserreichs und mit dem Namen Soya. Sie diente ihren früheren Feinden beinahe zehn Jahre, bevor sich Japan und Russland, inzwischen Alliierte im Ersten Weltkrieg, darauf einigten, das Schiff wieder der russischen Marine zu übertragen, um den Kampf gegen die Mittelmächte voranzubringen. Sie wurde erneut auf den Namen Warjag getauft. Kurz darauf wurde Sie von der russischen Admiralität zur Nachrüstung nach Großbritannien beordert. Mit Ausbruch der Oktoberrevolution wurde die Warjag von den Briten beschlagnahmt, und nach dem Krieg zur Verschrottung nach Deutschland verkauft.

Der Einsatz der Warjag und ihrer Besatzung an diesem Februarmorgen im Jahr 1904 mündeten in eine tief verwurzelte patriotische Legende in Russland, die bis heute Bestand hat.

 


So wird die Warjag in World of Warships wieder zum Leben erweckt

Tipps zur Spielweise

  • Das schiere Volumen der Feuerkraft aus zwölf 152-mm-Hauptgeschützen der Warjag und zwölf Sekundärgeschützen mit 75 mm Kaliber bedeutet für jeden Gegner, der ihr zu nahe kommt, eine Menge Schmerzen.
  • Die Warjag verfügt über 22 400 Strukturpunkte, was sie zu einem der stabilsten Kreuzer ihrer Stufe macht, was ihr im Gefecht gegen gegnerische Kreuzer eine gute Überlebensfähigkeit sichert.
  • Euer Hauptziel in diesem Schiff sind gegnerische Zerstörer, die sich zu nahe an eure Flotte heranwagen, denn die gewaltige Feuerkraft der zwölf Haupt- und zwölf Sekundärgeschütze kann alle Vorzüge eines Zerstörers, wie Geschwindigkeit und Wendigkeit, in kürzester Zeit zunichte machen.
  • Direkte Duelle mit Schlachtschiffen und schwer gepanzerten Kreuzern sollten vermieden werden, da die recht dünne Seitenpanzerung der Warjag sie zu einem sehr verwundbaren Ziel machen.

 

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Veröffentlicht16. April 2018 von Sunny in Kategorie "Allgemein", "Geschichte w", "World of Warships

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